Interview von Dr. Samuel Stutz mit Dr. Urs Graf über Krampfadern

Venensalben ersetzen nie die Operation

Wann soll man mit Krampfadern zum Arzt?

Leider ist die Meinung weit verbreitet, bei Venenleiden müsse man erst einschreiten, wenn es weh tut. Dabei kommt es oft erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien zu eigentlichen Schmerzen. Zum Arzt gehören alle Patienten mit geschwollenen Beinen, sichtbaren Krampfadern und Hautveränderungen in der Knöchelregion.

Welche Krampfadern kann man spritzen lassen, und wo hilft nur eine  Operation?

Spritzen, das heisst veröden, soll man nur Venen mit einem Durchmesser bis maximal einem Millimeter. Dazu gehören auch die sogenannten Besenreiser, sehr feine blaue Venen, die oft in ganzen Feldern vorkommen. Vor dem Veröden muss allerdings genau abgeklärt werden, ob nicht eine grössere, oftmals unsichtbare Krampfader vorhanden ist. Wird sich nicht operiert, kommt es unweigerlich zu einem Rückfall.

Weshalb sollte man im Sommer keine Krampfadern operieren?

Das ist ein reines Märchen, das sich medizinisch nicht begründen lässt. Wahrscheinlich kommt es daher, dass es unangenehm sein kann, während der warmen Jahreszeit Stützstrümpfe zu tragen. Was man aber im Sommer auf jeden Fall machen kann, ist eine genaue Abklärung der Krampfadern, damit sie im Herbst oder Winter operiert werden können.

Kann man Krampfadern vorbeugen?

Wenn eine entsprechende Veranlagung besteht, lassen sich Krampfadern nicht verhindern, sondern höchstens verzögern.

Gibt es Personen, die besonders häufig Krampfadern bekommen?

Vererbung, höheres Alter, Übergewicht, langjährige Pilleneinnahme und auch Schwangerschaften begünstigen die Entstehung von Krampfadern. Der Beruf hat dagegen kaum einen Einfluss.

Was nützen Venensalben?

Sie helfen zwar, gewisse Begleiterscheinungen von Venenleiden wie Entzündungen, Schmerzen oder Stauungen zu lindern, die kranken Venen machen sie jedoch nicht wieder funktionstüchtig. Deshalb können sie nur unterstützend wirken und ersetzen niemals eine Operation.

Helfen Wechselgüsse, kalte Bäder und Wassertreten?

Wie die Venensalben haben diese Massnahmen durchaus ihren Stellenwert. Eine Heilung ist aber nie zu erwarten.

Wann sind Kompressionsstrümpfe sinnvoll?

Wenn eine Veranlagung für Krampfadern besteht oder wenn einer der obenerwähnten Risikofaktoren vorhanden ist, wenn bei längerem Stehen Schwellungen in der Knöchelregion auftreten, lohnt es sich auf jeden Fall, Kompressionsstrümpfe zu tragen. Das gilt auch bei müden, schweren Beinen und bei einer Schwangerschaft. Zwingend getragen werden müssen Kompressionsstrümpfe nach einer Krampfadernoperation und bei offenen Beinen.

Dr. med. Urs Graf  ·  FMH Chirurgie
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